Begnungsfahrt nach Kreisau / Polen

Unsere deutsch-polnische Jugendbegegnung „Besuche unter Nachbarn“ mit einer Jugendgruppe unserer Partnerschule in Kattowitz stand im Zeichen der Völkerverständigung, des kulturellen Austauschs und einer gemeinsamen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen des zweiten Weltkriegs. Da wir ein intensives Begegnungsprogramm mit unseren deutschen und polnischen Jugendlichen gleichen Alters von zumeist 16 bis 17 Jahren bewältigen mussten, hatten wir die Anreise beider Gruppen bereits auf einen Sonntag und die Abreise erst auf einen Samstag gelegt. Bereits am Anreisetag starteten wir am Abend mit einem ersten Kennenlern-Workshop. Wir Lehrkräfte konnten bereits hier eine erste erfreuliche Entwicklung feststellen: Nach anfänglichen Berührungsängsten wurde die Gesamtgruppe bereits etwas unbefangener.

Unser Haupt-Workshop-Gestalter Piotr hat zusammen mit dem Volunteer Eric mit viel Engagement, Stringenz und Einfühlungsvermögen und mit Hilfe seiner mehrjährigen Erfahrung aus derartigen Jugendbegegnungen die Jugendlichen beider Länder von Tag zu Tag immer näher aneinander geführt. Nach anfänglich eher oberflächlichen Workshops mit Namens- und individuellen Kennenlern-Animationen wie auch ein Speeddating mit regelmäßig wechselnden Gesprächspartnern, bei dem im Laufe dieser Aktion die Atmosphäre hör- und sichtbar immer lockerer wurde und das Eis zunehmend geschmolzen war, folgten in der zweiten Hälfte der Woche dann arbeitsintensive Workshops. In diesen wurden in gemischten binationalen Gruppen Produkte wie bspw. kurze Videos zu vorgegebenen Themen, Plakate zu Erlebnissen im ehemaligen KZ Groß Rosen und zuletzt ein langer Tausendfüßler aus Wolle erstellt. Auch die beiden von uns Lehrkräften geplanten Ausflugstage nach Breslau bzw. Groß Rosen und Schweidnitz wurden gezielt in die Produktgestaltung bzw. die abendlichen Auswertungen eingeschlossen. In bester Erinnerung wird den Jugendlichen und uns Lehrkräften die Stadtrallye durch Breslau in binationalen Kleingruppen und das gemeinsame Mittagsessen in einer klassischen polnischen Milchbar in Schweidnitz bleiben. Die anschließenden gemeinsamen Auswertungsveranstaltungen waren je nach Thematik von der nötigen Ernsthaftigkeit, aber auch mit Freude und gemeinsamem Lachen begleitet, nicht zuletzt auch die gemeinsamen Abende im Gesellschaftsraum, in der Sporthalle bei Volleyball und in der Abschiedsdisco. Zu dieser produktiven, entspannten und netten Gesamtatmosphäre trug maßgeblich auch die wunderschön über die Jahre restaurierte geschichtsträchtige Gutsanlage der ehemaligen Familie von Moltke bei wie auch das dort sehr freundliche und stets engagierte Personal von der Reinigung über die Rezeption bis hin zur Küche und unserer Koordinatorin Melanie. Alle drei Malzeiten waren stets von der Auswahl reichhaltig, von guter Qualität und schmackhaft. Lediglich die Hauptspeise mittags war häufig etwas klein bemessen, so dass insbesondere unsere heranwachsenden Jugendlichen, die ja besonders gefordert waren, nicht immer satt wurden.

Die insgesamt gelungene und harmonische Begegnungsfahrt hat uns gezeigt, dass die Auswahl unserer Jugendlichen beider Partnerschulen und das Programm passend waren. Dies unterstreicht auch die Tatsache, dass am Abreisetag in der Abschlussauswertung nahezu alle Jugendlichen beider Gruppen ihre Markierung auf einer Gefallen-Skala bei hohen Prozentwerten klebten und ca. 50 % aller Jugendlichen Kontaktdaten untereinander ausgetauscht haben (Ergebnis einer kurzen Umfrage). Dies lässt uns hoffen, dass sich zukünftig auch einige private deutsch-polnische Gegenbesuche ergeben werden. Auch zwei unverändert angehängte Erlebnisberichte von zwei Teilnehmern des Marie-Curie-Gymnasiums bestätigen die überwiegend positive Sicht auf die durchgeführte Jugendbegegnung.

Dr. Torsten Jagla, Projektverantwortlicher